Gewerkschaftliche Organisation

oder: wer zu sehr auf Professionalisierung und Verkammerung setzt, verkennt den Charakter pflegerischer Arbeit als Lohnarbeit.

Tehy - Arbeitskampf in Finnland


Streik in der Berliner Charité 2011


Gewerkschaftliche Vertretung in Deutschland



Tehy Tehy

Die finnische Gewerkschaft Tehy hat im Jahr 2007 durch einen aufsehenerregenden Arbeitskampf 20% mehr Gehalt erkämpft. 13.000 Krankenschwestern und Pfleger hatten sogar beschlossen, nicht nur zu streiken, sondern gleich ganz zu kündigen - und das alle am selben Tag. Der Arbeitskampf ging soweit, daß Finnlands Parlament sogar ein Sondergesetz beschloß, welches eine Dienstverpflichtung vorsah, mit der die Schwestern gezwungen werden sollten, trotz Kündigung zu arbeiten.

Der Erfolg der Gewerkschaft hat gezeigt, was ein hoher Organisationsgrad (über 90%!) bewirken kann. In Deutschland sind nur ca. 9% des Pflegepersonals in einer Gewerkschaft oder einem Berufsverband - wobei letztere natürlich erst überhaupt nicht tariffähig sind.

Bereits 1955 war es in Finnland zu Massenkündigungen des organisierten Pflegepersonals gekommen, mit dem Resultat einer Höhergruppierung der Betroffenen um zwei Lohnklassen. 1968 wurde im Pflegesektor unter der Forderung nach Erhöhung des Lohnniveaus und der Verkürzung der Arbeitszeit auf vierzig Stunden erstmals gestreikt. Bei diesem Streik agierten auch erstmals unterschiedliche Organisationen gemeinsam: so waren die Vertretungen der KrankenpflegerInnen, der KindergärtnerInnen und der PhysiotherapeutInnen beteiligt.

Diese Zusammenarbeit führte 1982 schließlich zur Gründung einer gemeinsamen Organisation – der Tehy. Heute organisiert Tehy Bioanalytiker und Laborpersonal, Akutpflegepersonal, Physiotherapeuten, Hebammen, Röntgenschwestern usw. Insgesamt 150 000 Menschen sind der Gewerkschaft beigetreten. 94 % der Mitglieder sind Frauen.

Die Tarifrunde ab dem Spätsommer 2007 betraf u.a. qualifiziertes wie angelerntes Pflegepersonal, Bibliothekare, Lehrer und weitere Berufsgruppen. Drei verschiedene gewerkschaftliche Organisationen waren an den Verhandlungen beteiligt. Doch Ende September fiel die „Tariffront“ auseinander: Zwei der Gewerkschaften erklärten sich zur Annahme des vorgelegten Angebots bereit, dessen Laufzeit zwei Jahre und vier Monate beträgt und ein Gesamtlohnvolumen von ca. elf Prozent vorsieht. Tehy jedoch lehnte das Angebot ab.

Der Gewerkschaftsvorstand von Tehy hatte bereits im März seine Tarifvorstellungen formuliert und für seine Mitglieder ein separates, über die konjunkturbedingten Erhöhungen hinausgehendes Lohnprogramm gefordert. Sie wurden untermauert durch die Feststellung eines Reports der Organisation über europäische Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD. In diesem war der vorbildliche Charakter des finnischen Gesundheitswesens hervorgehoben worden, der jedoch auf Kosten des Personals ginge, dessen geringe Bezahlung lediglich 83% des durchschnittlichen OECD-Lohnes ausmache. So verdiente eine vergleichbare Arbeitskraft in Schweden ca. 500 Euro mehr. Zudem führte Tehy den mit den niedrigen Gehältern einhergehenden Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal an.


Charité

Sophia Zender: Streiken bis das Patriachat kommt. Der Arbeitskampf der Pflegekräfte an der Berliner Charité. (Link zur Rosa Luxemburg Stiftung)


Verdi

Die "Gesundheit und Soziales" Seiten von verdi